Asthmaschulungen für Kinder und Jugendliche

Anleitung zum Selbstmanagement einer chronischen Erkrankung

Wir trainieren seit 2005 regelmäßig nach den Richtlinien der AG Asthmaschulung im Kindes- und Jugendalter, seit 2007 in den neu renovierten Räumen der Akademie Kreiskliniken Esslingen in Kirchheim unter Teck.

Unser interdisziplinäres Team setzt sich zusammen aus Kinder- und Jugendärzten, medizinischen Fachangestellten mit Asthmatrainerausbildung, Physiotherapeuten und einer Psychologin.

Kinder und Jugendliche mit Asthma bronchiale lernen bei uns, ihre Erkrankung auf altersentsprechende Weise zu verstehen. Sie erfahren, wie sie Asthmaanfälle vermeiden, Anzeichen einer Verschlechterung rechtzeitig bemerken und im Notfall konsequent vorgehen können. Bei den Kindern steht das Einüben von Selbstwahrnehmung und Medikamenteninhalation im Vordergrund. Bei Jugendlichen und im Elternkurs, der parallel zur Kinderschulung stattfindet, wird ausführlich auf theoretische Fragen, wie Auslöservermeidung, Steroidtherapie, Stellenwert alternativer Heilmethoden und Prognose eingegangen.

Folgende Themen werden bearbeitet:

- "Was ist Asthma"                               - Asthmaauslöser

- Medikamente                                     - Inhalationstechniken

- Selbstwahrnehmung                            - Peak-Flow-Messung und –Dokumentation

- Notfallmanagement                             - Psychosoziale Aspekte der Erkrankung

- Sport für Asthmapatienten                   - atemerleichternde Stellungen/Lippenbremse

Die Schulungen erfolgen in Kleingruppen mit bis zu 7 Kindern, in der Regel an zwei Wochenenden (Freitagnachmittag und Samstag), über mindestens 18 Unterrichtseinheiten. Eltern werden parallel trainiert - während mindestens 12 Unterrichtseinheiten getrennt von den Kindern. Die Schulungen finden in homogenen Altersgruppen statt: „Minis“: 5-7 Jahre, „Midis“: 9-12 Jahre und „Maxis“: 13 -17 Jahre.

  

Asthma bronchiale ist in westlichen Industrieländern die häufigste chronische Krankheit bei Kindern und Jugendlichen. Während in Deutschland etwa fünf Prozent der Erwachsenen an Asthma bronchiale leiden, liegt der Anteil der von Asthma betroffenen Kinder bei zehn Prozent.

Asthmapatienten haben überempfindliche Atemwege, welche auf Tabakrauch, Industrie- und Autoabgase, Feinstaub sowie Allergene mit einer chronischen Entzündung der Bronchien reagieren. Wegen dieser Entzündung kommt es unter dem Einfluss verschiedener Auslösefaktoren zu den Asthmaanfällen mit Husten und Atemnot. Zu den Auslösefaktoren gehören neben den Ursachen der zugrundeliegenden chronischen Entzündung auch seelische Anspannung, körperliche Anstrengung, kalte oder zu trockene Luft.

Der rechtzeitige Einsatz effektiver Asthmamedikamente im Kindes- und Jugendalter soll dazu beitragen, die Ausbildung eines auch im Erwachsenenalter persistierenden Asthma bronchiale zu verhindern. Aber auch diejenigen, deren Asthma trotz effektiver Therapie im Kindes- und Jugendalter weiterhin bestehen bleibt, profitieren langfristig von der frühen intensiven Therapie, weil so die Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit gering gehalten werden kann und Todesfälle aufgrund schwerer Asthmaanfälle vermieden werden.

Ähnlich wie bei arterieller Hypertonie und beim Diabetes mellitus, ist bei Asthma bronchiale eine Dauertherapie erforderlich, hier in der Regel die Inhalation von antientzündlichen Medikamenten. Diese Dauertherapie muss der Patient selbst steuern, bei Kindern helfen die Eltern. Um das dazu notwendige Wissen zu vermitteln, sowie den Gebrauch der notwendigen Hilfsmittel zu trainieren, werden Patientenschulungen durchgeführt.

Bundesweit unterrichten die Teams der Arbeitsgemeinschaft Asthmaschulung im Kindes- und Jugendalter nach einem einheitlichen Curriculum. Je nach Abstraktionsvermögen, Konzentrationsfähigkeit, und körperlicher Geschicklichkeit der verschiedenen Altersgruppen, sieht dieses Konzept unterschiedliche didaktische Methoden vor. Die Schulungsteams bestehen aus speziell qualifizierten Kinder- und Jugendärzten, Arzthelferinnen, Psychologen und Physiotherapeuten.

Die Kinder erarbeiten sich während der etwa zwanzig Unterrichtseinheiten einer Asthmaschulung spielerisch, was Asthma bronchiale eigentlich ist, wie die Anfälle ausgelöst werden, wie sie vermieden werden können und welche Maßnahmen man wie warum dagegen ergreifen kann. Parallel zu den Trainingseinheiten der Kinder wird den Eltern bei Gruppengesprächen und Vorträgen das notwendige Wissen über die Erkrankung ihrer Kinder vermittelt.

Einen Schwerpunkt der Asthmaschulungen bildet das Einüben der Inhalationstechniken. Anders als Erwachsene können Kinder bis zu einem Alter von etwa zehn Jahren ein Dosieraerosol nicht direkt inhalieren, da sie die Koordination des Sprayauslösens mit einem Einatemzug nicht beherrschen. Aus diesem Grund gibt es für Kinder kleine Reservoire, in die das Asthmamedikament zunächst hineingesprüht wird, um anschließend aus dem Gefäß in mehreren Atemzügen eingeatmet zu werden. Aber auch ältere Kinder und Jugendliche müssen intensiv üben, bis sie die Anwendung der Sprays beherrschen, damit das Medikament vor allem in die Bronchien gelangt und nicht der größte Teil auf Mundschleimhaut oder Rachenhinterwand hängen bleibt. Manche Asthmamedikamente liegen nicht in Form von Aerosolen vor, sondern werden als Pulver inhaliert. Auch hier gibt es altersspezifische Applikationsformen, je nachdem, wie kräftig die Kinder schon inhalieren können.

In einem weiteren Teil der Schulungen werden Selbstwahrnehmung und Therapiesteuerung eingeübt. Was beim Diabetes das Blutzuckermessgerät und bei arterieller Hypertonie das Blutdruckmessgerät leistet, erfüllt beim Asthma bronchiale das Peak-Flow-Meter. Es handelt sich um ein kleines mechanisches Gerät, welches die maximale Geschwindigkeit misst, mit der der Patient ausatmen kann. Diese maximale Flussgeschwindigkeit bei der Ausatmung variiert mit dem Grad der Entzündung der Bronchien und hilft so den Medikamentenbedarf zu ermitteln, bevor es zu Asthmaanfällen kommt. Neben dem Umgang mit diesem Peak-Flow-Meter wird das Protokollieren der Messwerte und die Interpretation des Messwerteverlaufs erklärt und eingeübt.

Ein anderer Abschnitt der Schulung ist den Auslösern der Asthmaanfälle gewidmet. Jeder Asthmapatient, der auf Allergene reagiert, muss diese genau kennen, um sie vermeiden zu können – z.B. um bei Pollenallergie das Fenster während des Pollenflugs in der Nacht zu schließen, bei Hausstaubmilbenallergie die Wohnung zu sanieren oder bei Pferdehaarallergie einen Bogen um die Pferdekoppel zu machen. Hier lernen die Teilnehmer auch im Rollenspiel, wie sie sich in einer Gruppe Gleichaltriger verhalten können, wenn die Freunde z.B. nicht verstehen, warum ein Hausstaubmilbenallergiker keine Kissenschlacht mitmacht, ein Pollenallergiker nicht problemlos durch die blühenden Wiesen tobt, oder warum ein jugendlicher Asthmatiker verrauchte Diskotheken meidet.

In der Elterngruppe wird über die Befürchtungen und Belastungen, welche die chronische Erkrankung eines Kindes mit sich bringen, gesprochen.  Der Stellenwert alternative Heilmethoden in der Asthmatherapie oder die Befürchtungen hinsichtlich des Gebrauchs der entzündungshemmenden Medikamente sind weitere Themen in der Elterngruppe.

Zwischendurch gibt es einige Sportstunden, bei denen gezeigt wird, wie durch angepasste Vorbereitung auch ein asthmakrankes Kind genauso sportlich belastbar sein kann, wie ein Kind ohne Asthma bronchiale.

Schließlich wird der Notfallplan besprochen und das Verhalten bei einem Asthmaanfall trainiert. Medikamente, die die Atemwege kurzfristig erweitern und den Anfall unterbrechen, sollen nicht unkontrolliert, sondern nach einem zuvor festgelegten Plan, verwendet werden. Dieser Notfallplan sieht auf vor, wann fremde Hilfe durch den Kinder- und Jugendarzt oder den Notarzt angefordert werden muss.

Etwa sechs Monate nach der Grundschulung wird das Gelernte und Geübte im Rahmen einer Nachschulung noch einmal aufgefrischt, etwaige Fehler korrigiert und offen gebliebene Fragen besprochen.

Patientenschulungen gehören zur Standardtherapie chronischer Erkrankungen.  Asthma tritt zwar anfallsartig auf, die Ursache liegt aber in einer chronischen Entzündung der Bronchien, darum ist  eine Dauertherapie notwendig, auch in der Zeit, in der keine Beschwerden bestehen. Dies ist für Erwachsene oft schwer zu verstehen, erst recht aber können Kinder und Jugendliche kaum einsehen, dass sie Medikamente nehmen sollen, wenn es ihnen gut geht. Das notwendige Verständnis für den Charakter der Erkrankung kann nur selten während des Besuchs beim Kinder- und Jugendarzt erschöpfend vermittelt werden. Dafür ist die Zeit während der Sprechstunde einfach zu knapp. Außerdem stehen nicht überall und jederzeit die didaktischen Methoden und Requisiten für eine an die jeweilige Altersgruppe angepasste Instruktion bereit. Die Diagnose Asthma bronchiale bringt manchmal mehr für die Eltern, als für die betroffenen Kinder selbst,  zunächst eine erhebliche emotionale Belastung mit sich, welche während des hektischen Praxisalltags ebenfalls oft nur unzureichend aufgefangen werden kann.

Der messbare Effekt solcher Schulungen auf die Reduktion der Häufigkeit von Notfallsituationen und Krankenhauseinweisungen rührt nicht nur daher, dass hier viel Zeit eingesetzt wird, um den Betroffenen und ihren Eltern Zusammenhänge zu erklären und sie für das Selbstmanagement ihrer Erkrankung fit zu machen. Ein wichtiger didaktischer Pfeiler dieses Asthmatrainings besteht darin, dass die in der Gruppe erlebten positiven Emotionen den Lernerfolg festigen und die mit der chronischen körperlichen Erkrankung einhergehende seelische Kränkung abbauen helfen.